Das Voltigieren

Voltigieren ist eine Kombination aus Gymnastik und Reiten. Das Pferd wird von einem erfahrenen Ausbilder an der Longe geführt, während die Voltigierschüler ihre Übungen auf dem Pferd absolvieren. Voltigieren ist eine gute Möglichkeit, fit zu bleiben und die die reiterlichen Fähigkeiten zu trainieren. Wer gute Leistungen erzielt, kann auch an Wettbewerben teilnehmen, bei denen jeweils eine Pflicht und eine Kür vorzuführen sind.

Reitstil verbessern

Bei allen Übungen läuft das Pferd an der Longe. Als Anfänger hält man sich an den Griffen des Voltigiergurtes fest. Man hat also keine Zügel in der Hand und kann sich so voll und ganz auf das Halten des Gleichgewichtes konzentrieren, ohne die Sorge, das Pferd im Maul zu reißen. Kein harter Sattel liegt zwischen Reiter und Pferd. Durch den direckt6en Kontakt überträgt sich der Bewegungsrhythmus des Pferdes ungehindert auf den Reiter, der auf diese Weise schneller lernt, auf die Bewegungen einzugehen. Zu Beginn steht die Arbeit an der richtigen Haltung und an den Hilfen. Jedermann kann Spaß daran haben, mit Hilfe des Voltigiergurtes auf einem Pferd zu galoppieren oder sogar zu springen. Kinder lernen auf diese Weise das Reiten sehr schnell, weil die Gefahr, vom Pferd zu fallen, oder dass das Pferd durchgeht, geringer ist. Voltigieren eignet sich darüber hinaus sehr gut zur Behandlung von Menschen mit körperlichen Behinderungen, besonders für Patienten, die nach einer Krankheit nicht mehr gehen können. Ein Pferd aktiviert beim Gehen die gleichen Muskelgruppen wie der Mensch; durch den engen Körperkontakt zum Pferd übertragen sich die Muskelbewegungen des Pferdes auf den Kranken, wodurch auch dessen Muskel gestärkt werden. Abgesehen von diesem Körpertherapeutischen Aspekt wirkt sich die Bewegung mit dem Pferd auch sehr positiv auf das Selbstbewusstsein eines Menschen aus, der sonnst an den Rollstuhl gefesselt ist.

Beginn der Ausbildung

Wer eine andere Sportart betreibt, ganz gleich ob reiten, Gymnastik, Ballett oder Ballspiel, lernt das Voltigieren in der Regel ohne größere Mühe. Aber auch wird sich selbst als unsportlich einschätzt, wird beim Voltigieren rasch Fortschritte machen. Um schneller Fit zu werden, empfiehlt es sich zu Hause Gymnastik zu betreiben. Der Voltigierlehrer kann auch ein Trainingsprogramm zusammenstellen. Für die ersten Lektionen im Schritt oder Trab ist jedes beliebige Pferd geeignet. Für die Arbeit im Galopp sollte jedoch ein ruhiges, gutmütiges Pferd verwendet werden, das über genügend Kondition verfügt, ein paar Minuten Dauergalopp durchzuhalten. Es sollte mindesten 6 Jahre alt sein und bereits ans Voltigieren gewöhnt, auf einem nervösen, unruhigen Pferd kann das Voltigieren gefährlich werden.  Auch das Gebäude des Voltigierpferdes muss bestimmte Kriterien erfüllen. Ideal ist ein kräftiges Pferd mit breiter Brust und einem langen Rücken, das einen gleichmäßigen Galopp geht. Auf einem unruhig laufenden Pferd ist es fast unmöglich, elegant auszusehen, geschweige denn, aufrecht zu stehen.

Prüfungen

Entsprechend zu den Reitabzeichen gibt es auch Voltigierabzeichen in Bronze und Silber, die in einer Sonderprüfung erworben werden, sowie ein Voltigierabzeichen in Gold, das auf Grund von Erfolgen bei Wettbewerben verliehen wird. Beim Voltigierabzeichen in Bronze muss der Prüfling im praktischen Teil die sechs Pflichtübungen Grundsitz, Fahne, Mühle, Schere, Stehen und Flanke zeigen und für alle Übungen wenigstens eine Note von 5,0 erreichen. Für das Silberne Abzeichen werden dieselben Übungen verlangt. Allerdings muss der Prüfling dabei eine Durchschnittsnote von 7,0 erreichen, wobei keine Einzelwertnote unter 5,0 liegen darf. Beiden Abzeichen schließt sich eine theoretische Prüfung an, in der Kenntnisse zur Voltigierlehre, Pferdehaltung, Tierschutzgesetz, Pferderassen und zur Organisation der Reit-, Fahr- und Voltigiersports vorausgesetzt werden. Das silberne Abzeichen kann erst ein Jahr nach dem Bronzenen erworben werden.

Sicherheitsmaßnahmen

Die Arbeit auf dem Pferd darf nur unter Anleitung eines Erwachsenen erfolgen. Einem erfahrenen Pferd macht es in aller Regel nach nichts aus, wenn auf seinem Rücken Voltigierübungen durchgeführt werden, aber wenn ihm dabei versehentlich weh getan wird, könnte es bocken oder sich aufbäumen. Beim Training nie die Reitkappe vergessen. Kein Jeans, sondern Trainingsanzug anziehen und niemals Ohrringe, Ketten oder Schals tragen. Am besten eignen sich schnürsenkellose Gymnastikschuhe oder spezielle Voltigierschuhe mir weichen Sohlen. Das ist wichtig um den Rücken des Pferdes zu schonen, der besonders in der Nierengegend empfindlich ist.

Die Voltigierübungen

Der Aufsprung

Der Aufsprung ist die erste Übung, die man können muss, wenn man mit dem Voltigieren beginnt, schließlich muss man ja irgendwie auf das Pferd hochkommen. Es bedarf einiger Übung, bis man den Aufsprung beherrscht und vor allem den Schwung des Pferdes dafür optimal ausnutzen kann. Zum Aufsprung in den Sitz läuft man zunächst an der Longe entlang auf das galoppierende Pferd zu, und läuft dann einige Sprünge neben dem Pferd her, wobei die Griffe des Longiergurtes gefasst werden. Dann springt man mit beiden Beinen geschlossen ab, wirft das äußere Bein (im Bild das linke) möglichst weit nach oben und neigt den Po nach oben und den Oberkörper nach vorne. Mit den Armen zieht man sich dabei nah am Pferd nach oben. Das innere Bein (hier das rechte) zeigt dabei gerade nach unten.
Schließlich sitzt man unter Zuhilfenahme von Armen und Beinen weich hinter dem Longiergurt ein.

 

Aufsprung in die Hocke

Eine weitere Möglichkeit des Aufsprunges ist der Aufsprung in die Hocke. Ebenso wie beim Aufsprung in den Sitz springt man nach einigen Galoppsprüngen neben dem Pferd mit beiden Beinen gleichzeitig kräftig ab. Anschließend wirft man aber nicht eines der beiden Beine hoch, sondern zieht sich mit den Armen am Pferd entlang hoch. Die Beine werden nach dem Absprung angewinkelt und der Po möglichst weit nach oben genommen, so dass man schließlich weich in der Hocke auf dem Pferderücken landet. Fortgeschrittene Voltigiere können als Variante dieses Aufsprunges auch direkt in die Fahne aufspringen.

Der Scheraufsprung

Beim Scheraufsprung dreht man sich während des Aufsprunges nach hinten, so dass man im Rückwärtssitz auf dem Pferd landet. Im Gegensatz zum Aufsprung in den Sitz wird hier nach dem Absprung das innere Bein (im Bild das linke) möglichst weit hochgeworfen, die Arme ziehen den Körper am Pferd heran hoch, der Oberkörper wird nach vorne geneigt. In der Flugphase werden schließlich Schultern und Hüfte gedreht, das linke Bein wird auf die äußere Seite des Pferdes gebracht. Bevor man im Rückwärtssitz landet, müssen die Griffe natürlich losgelassen werden.

Der Grundsitz

Der freie Grundsitz gehört zu den Grundübungen der Pflichtübungen, muss also wie Aufsprung und Abgang auf jeden Fall beherrscht werden. Auf einem galoppierenden Pferd erfordert diese Übung bereits eine gute Balance des Voltigierens. In aufrechter Haltung nahe hinter dem Gurt sitzend werden die Arme je nach Leistungs- klasse entweder auf Schulterhöhe seitlich ausgestreckt oder angewinkelt mit den Händen auf der Hüfte. Die Beine werden seitlich lang am Pferd herabgestreckt, die Fußspitzen sind nach unten gestreckt.

Freies Stehen zu Pferde

Zum freien Stehen auf dem Pferd ist ein sehr hohes Gefühl für die Balance notwendig, auch aus dem Grund, dass man im Gegensatz zu anderen Übungen nicht ganz so schnell an die Griffe kommt und sich deshalb möglicherweise nicht so sicher fühlt. Aus dem Knien geht man in den Hockstand über, verlagert das Gewicht nach hinten auf die Füße und richtet sich langsam auf, sobald man das Gleichgewicht gefunden hat. Die Arme werden auf Schulterhöhe seitlich ausgestreckt, der Blick ist nach vorne gerichtet. Zum Abfedern der Galoppbewegung des Pferdes ist es wichtig, in den Knie- und Fußgelenken locker zu bleiben und die Knie leicht angewinkelt zu halten. Außerdem sollte man versuchen, gleichmäßig auf der ganzen Fußfläche stehen. Die Übung wird über mindestens vier Galoppsprünge gehalten, anschließend ergreift man die Griffe und sitzt mit gestreckten Beinen sanft wieder ein.

Die Fahne ist wohl die Übung, welche die meisten vor Augen haben, wenn sie an Voltigierübungen denken. Sie dürfte damit also eine der bekanntesten sein. Zur Ausführung dieser Übung ist eine hohe Körperspannung sowie eine gute Balance unerlässlich. Aus dem Knien auf dem Pferd entwickelt sich die Fahne, indem ein Bein nach hinten und der gegenüberliegende Arm nach vorne ausgestreckt wird. Hand- und Fußspitzen sollen sich auf einer Höhe befinden, insgesamt soll die Linie, die aus Arm, Rumpf und Bein gebildet wird, eine nach oben gebogene Kurve darstellen, der Kopf ist leicht zurückgelegt. Die Übung muss mindestens über vier Galoppsprünge hinweg gehalten werden. Je nach Leistungsklasse können zur Ausführung der Übung auch Bein und Arm nacheinander statt gleichzeitig ausgestreckt werden oder die Übung ohne Arm durchgeführt werden.

Die Flanke ist eine sehr dynamische Übung, deren Ausführung ein gewisses Maß an Kraft und Spannung bedarf. Sie setzt sich aus zwei Teilen zusammen: im ersten Teil führt eine Flanke zum Innensitz, im zweiten Teil erfolgt nach einer weiteren Flanke der Abgang nach außen. Vom normalen Sitz aus holt man mit beiden Beinen kräftig Schwung, schwingt die Beine gestreckt nach hinten und geht dabei mit dem Oberkörper nach vorne. Hoch über der Kruppe werden die Beine geschlossen, und man knickt in der Hüfte ein, um sich zum Innensitz zu drehen und vorsichtig einzusitzen. Für den zweiten Teil holt man erneut Schwung, wirft die Beine über die Kruppe und drückt sich zusätzlich mit den Armen nach außen hin ab. Schließlich lässt man die Griffe los, landet federnd neben dem Pferd und läuft nach vorne aus.

Die Bank

Aus der Bank können viele Übungen entwickelt werden, wie z.B. die Fahne oder das freie Knien. Es gibt auch viele Partnerübungen, bei denen sich einer der Voltigierer in dieser Positionen befindet (z.B. Stehen über der Bank, Fahne auf der Bank, Knien auf der Bank usw.).

Der Standspagat

Der Standspagat ist eine optisch sehr ansprechende Figur, zu seiner Durchführung muss man jedoch eine ausgesprochene Dehnbarkeit besitzen.
Bei Doppel- und Dreierkürübungen kann der Standspagat auch von den Voltigierern nebeneinander oder auch in den Schlaufen stehend ausgeführt werden.

Prinzensitz

Der Prinzensitz ist eine schöne Übung, die sich bei Doppelvoltigieren auch gut mit anderen Übungen wie dem Knien oder Stehen kombinieren lässt.
Die Übung entwickelt sich aus dem Vorwärtssitz oder dem Knien. Man kniet im Prinzensitz nur auf einem Bein, wobei der Unterschenkel dieses Beines zur besseren Stabilisierung leicht quer über den Pferderücken gelegt wird. Der Fuß des Beines, das nach vorne angewinkelt aufgestellt wird, kann in den Griff gestellt werden, um mehr Halt zu bekommen. Der Oberkörper ist aufrecht, die Arme sind seitlich ausgestreckt.

Bank rücklings

Die Bank rücklings wird aus dem Rückwärtssitz heraus entwickelt. Man hält sich hinter dem Rücken mit beiden Händen an den Griffen fest, setzt nacheinander die Füße auf die Kruppe des Pferdes und hebt dann die Hüfte an, bis Oberkörper, Hüfte und Oberschenkel eine gerade Linie bilden und man nicht in der Hüfte eingeknickt durchhängt.
Als Variante dieser Übung kann noch ein Bein gerade nach oben gestreckt werden, wie links im Bild zu sehen.

Die Schere ist ebenfalls eine schwungvolle Übung und besteht aus zwei Teilen, bei denen jeweils die Richtung des Sitzes geändert wird. Aus dem Vorwärtssitz holt man mit beiden Beinen kräftig Schwung, stützt sich auf die Griffe und wirft die Beine gestreckt nach hinten über die Kruppe des Pferdes. Am höchsten Punkt kreuzen sich die Beine, man dreht zunächst die Hüfte und anschließend den Oberkörper, um im Rückwärtssitz einzusitzen, wobei man der Bewegungsrichtung abgewandten Griff zuvor natürlich loslassen und umgreifen muss. Der zweite Teil erfolgt analog in umgekehrter Richtung.

Die Mühle gehört auch zu den Pflichtübungen und besteht aus mehreren Schritten (Takten). Für jeden Takt sind vier Galoppsprünge des Pferdes vorgesehen. Je nach Leistungsstufe wird dabei entweder eine ganze (A- und B-Pflicht), eine halbe (C-Pflicht) oder eine Viertelmühle (D-Pflicht) durchgeführt. Die D-Mühle wird auch als "Scheibenwischer" bezeichnet und besteht eigentlich aus zwei Viertelmühlen, d.h. erst dem Überschlagen des äußeren Beines zum Innensitz, dann wieder zurück zum Grundsitz (also nicht in den Rückwärtssitz), anschließend das gleiche mit dem anderen Bein in den Außensitz und wieder zurück.

 

Der erste Schritt der Mühle besteht im Überführen des gestreckten äußeren Beines nach innen zum Innensitz. Während dem Überschlagen des Beines werden die Griffe nacheinander losgelassen, um das Bein vorbeizuführen.
Aus dem Innensitz wird nun das andere Bein gestreckt über die Kruppe geführt zum Rückwärtssitz.
Bei der C-Mühle wird der freie Rückwärtssitz vier Galoppsprünge gehalten, anschließend erfolgt der Abgang
Bei einer vollständigen Mühle wird aus dem Rückwärtssitz das innere Bein übergeschlagen zum Innensitz
Wie bei den anderen Schritten wird auch der Innensitz vier Galoppsprünge gehalten
Die Mühle wird abgeschlossen, indem das innere Bein über den Pferdehals gehoben wird und man wieder im Vorwärtssitz endet

Wende nach innen als Abgang

Beide Beine hoch nach hinten schwingen, Wenn die Beine über dem Pferderücken sind Griffe loslassen und in Bewegungsrichtung auslaufen.

Übungen ohne Pferd

Für folgende Übungen ist keine spezielle Ausrüstung nötig, sie können zu Hause trainiert werden:

-         Im Trab- oder Galopprhythmus laufen. Sprünge vom Boden und von 60cm Höhe. Beim Landen in den Knien immer weich abfedern.

-         Purzelbäume in alle Richtungen.

-         Zur Kräftigung der Arme ist Handstand, Rad und Liegestütze hilfreich.

-         Dehnübungen für den Rücken, wie zum Beispiel im Grätschsitz mit den Händen die Zehen berühren.

-         Bocksprünge mit durchgedrückten Knien.

Gruppenübungen

Wer die Grundübungen beherrscht, kann mit Voltigierübungen zu zweit beginnen.

Hochgestützter Handstütz

Wie bei allen Hebefiguren ist auch hier eine hohe Körperspannung des Voltigierers, der von den anderen gehoben wird, von großer Bedeutung

Handstand vorwärts gegrätscht

Diese Partnerübung erfordert einen sehr sicheren Sitz des Voltigierers, der den anderen im Handstand festhält, um diesem ausreichend Sicherheit bei der Ausführung der Übung zu geben. Für den Handstand ist außerdem eine hohe Spannung des Körpers notwendig, u.a. auch um dem sitzenden Voltigierer das Festhalten zu erleichtern.
Der Voltigierer im Handstand sollte knapp unterhalb des Beckens festgehalten werden.

Fahne auf der Bank

Bei dieser Partnerübung wird die Bank mit einer Fahne des oberen Voltigierers kombiniert, wobei dieser Arm und Bein ausgestreckt haben kann oder auch nur das Bein (wie im Bild gezeigt). Wie bei allen Übungen, bei denen ein Voltigierer auf dem anderen kniet, steht oder sitzt, muss auch hier logischerweise der obere Voltigierer der leichtere sein. Es ist wichtig, dass er nicht auf der Mitte des Rückens des Untermannes kniet, sondern auf dem wesentlich stabileren Beckenbereich.

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