Die Geschichte des Damensattels

  Der Damensattel war für die Frauen eine Revolution - endlich konnten auch sie hoch zu  Pferde sitzen! Wo und von wem er erfunden wurde, ist nicht genau bekannt. Die ersten Modelle waren häufig noch unbequem und gefährlich.

Anne von Böhmen

Die Frau des englischen Königs Richard II., Anne von Böhmen, soll den Damensattel im Jahre 1382 nach England gebracht haben. Ihr Sattel war allerdings wenig mehr als ein Polster mit einer Stützplattform für die Füße. Die seitwärts sitzende Reiterin hatte kaum Kontrolle über das Pferd. Fiel das Pferd in den Trab, purzelte sie meist schon herunter.
Daher wurde vorn am Sattel bald ein Sattelhorn angebracht. Mit dem rechten Knie über das Horn geschlungen, saß die Reiterin schon aufrechter und sicherer.

 

Katherina de Medici

In der Zeit Katherina de Medicis, der Königin von Frankreich, wurde um 1580 das zweite Horn eingeführt. Wie das erste befand es sich oben auf dem Sattel. Die Reiterin presste ihr rechtes Knie zwischen die beiden Hörner.
Bei einem Sattel mit ebener Sitzfläche ließ es sich damit auch über längere Strecken bequem reiten. Der Sattel geriet bei einer unerfahrenen Reiterin allerdings sofort aus dem Gleichgewicht, sobald das Pferd etwas schneller ging.
Die Durchschnittsreiterein konnte sich nur auf einem braven, gehorsamen Pferd im Schritt oder im Galopp halten. Der Trab war unbequem und Springen geradezu halsbrecherisch. Ein buckelndes Pferd verlor seine Reiterin im Nu. Um ein rutschen des Sattels zu verhindern, schnallten manche Pfleger den Gurt so eng, dass das Pferd kaum mehr atmen konnte.
Als Folge davon versuchte es sich zu wälzen, um den lästigen Sattel los zu werden. In den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts erfand man schließlich den zweiten Haltegurt. Der mit dem Steigbügelriemen verbundene zweite Gurt sollte den Sattel hinten im Gleichgewicht halten- was aber nicht ganz funktionierte.

 

Jules Pellier

Abgesehen von dieser Erfindung hatten sich die Damensättel fast 250 Jahre lang nicht verändert. Der Durchbruch kam erst 1830, las der französische Rittmeister Jules Pellier das untere Horn erfand, das sich über den linken Oberschenkel legte und für einen festen Sitz in allen Situationen sorgte.

 

Elisabeth von Österreich

Auf diesen neuen Sätteln mit den drei Hörnern konnten die Frauen theoretisch auch galoppieren und springen - abgesehen davon, dass es sich für eine adelige Dame nicht geziemte, wie eine Furie im Gelände herumzusprengen. Frauen durften zu Pferd ihre Männer zu einem besonderen Ereignis wie einer Jagd begleiten, mussten dann aber, begleitet von einem Pferdepfleger, wieder nach Hause reiten.
Das sollte sich erst mit Kaiserin Sissi ändern, die als begeisterte Amazone das Jagdreiten auch für Frauen populär machte. Viele Frauen folgten ihrem Beispiel, wobei sich zeigte, dass auch die neuen Sättel noch Gefahr

 

Konstruktionsfehler

Das untere Horn machte das zweite obere Horn überflüssig. Da bei einem Sturz das Bein zwischen den beiden oberen Hörnern häufig gefährlich eingeklemmt wurde, verzichtete man bald auf eines davon. Die Kombination aus Steigbügelriemen und Zusatzgurt ließ den Sattel immer noch hin - und herrutschen, so dass auch in diesem Punkt eine Weiterentwicklung erforderlich wurde.
Bei den modernen Damensätteln verläuft der zweite Gurt von der vorderen linken Sattelseite aus nach hinten, oder ist am Bauchgurt aufgenäht. Gefährlich war vor allem der Steigbügel, in dem sich der Fuß bei einem Sturz verfing. Die folgen waren meistens tragisch. Vielerlei "Sicherheitsbügel" wurden erfunden.
Einige waren vorne korbförmig verkleidet, so dass der Fuß nicht hindurch rutschen konnte. Andere wiederum sollten sich beim Sturz der Reiterin öffnen. Die meisten dieser Steigbügel versagten jedoch kläglich, und so kam es weiterhin zu schweren Unfällen. Die Lösung ergab sich schließlich in Form von Steigbügelriemen, die sich bei einem Sturz vom Sattel lösen. Heute haben alle diese Art von Riemen.

 

  

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