Westernreiten im Damensattel

Der Westernsattel war der Arbeitsplatz der Viehzüchter und Siedler. Die Frauen mussten ihren Männern bei der Rancharbeit helfen und dazu nahm Frau auch einen Herrensattel. Erst als sich eine wohlhabende Schicht bildete, in der man für sich arbeiten ließ und wo der Mann sich und sein "Eigentum" präsentierte, wollten auch die Frauen sich mit Kleidern zu Pferd zeigen. Auf die Bequemlichkeit des Westernsattels wollte man aber keinesfalls verzichten und so entwickelte man auf Grundlage des normalen Westernsattels eine Variante für den Seitsitz.

Die Entwicklungsgeschichte

Der erste Damensattel kam von England aus kurz nach dem die ersten Kolonialisten an der Amerikanischen Küste landeten nach Amerika. Da dieses Ereignis nicht dokumentarisch festgehalten wurde, gibt es über den genauen Zeitpunkt nur Spekulationen: man nimmt an, dass es so um das Jahr 1607 in Jamestown war, nämlich bereits kurz nach dem auch die ersten Pferde aus England in Amerika landeten. Die Lowlands des Südens eigneten sich weit besser für die reiterliche Erschließung als die steinigen Berge des Nordens und so ist es nicht verwunderlich, dass besonders die Damen des Südens zu Horsewomen wurden. Insbesondere kurze Wegstrecken legten die Ladies lieber auf dem Rücken eines Pferdes als in einer Kutsche zurück. Aufgrund der großen Nachfrage produzierten Sattler der Neuen Welt schon bald eigene Side Saddles für ihre weibliche Kundschaft. Neue Innovationen wie z.B. das um 1830 entwickelte Schraubhorn (leaping horn) wurden auch in Amerika aufgenommen. Die Sattler im Osten produzierten nach englischem Modell, Sattler im Westen gingen immer mehr dazu über, das Aussehen der Side Saddles an das der dort üblichen Stock Saddles anzupassen der Western Ladies Side Saddle war geboren.

Der Sattel

 

1. Sitzfläche

2. Cantle Roll

3. Concho

4. Feststehendes Horn

5.seitliches Horn (meist beweglich)

6. Fender (Bügelriemen)

7. Stirrup (Steigbügel

8. Jockey / Fork (Beinablange)

9. Rear Housing (Sattelblatt)

10. Strings

 

Im Grunde genommen ist er wie ein herkömmlicher Westernsattel gebaut: er hat einen Skirt und eine Cantle Roll (erhöhter Rand der Sitzfläche). Dies allerdings nicht nur am hinteren Ende, wie beim herkömmlichen Westernsattel, sondern entlang der ganzen rechten Seite des Sattels und endet am fordern Ende oft in einer einem Horn ähnlichen Erhöhung oder überhaupt in einem richtigen Horn. Dies macht ihn äußerst bequem. Auf der linken Seite der Fork befinden sich ein festes Horn das dem rechten Schenkel halt gibt und ein zweites Horn (oft ein Schraubhorn) das den linken Schenkel begrenzt. Auf dieses Horn sollte man auf keinen Fall verzichten, da der Sitz dadurch erheblich sicherer wird. Weiters ist auf der linken Seite des Saddles ein Steigbügel befestigt. Der Steigbügel selbst ist wieder genau wie beim Westernsattel breit und bequem und meist aus Holz, bei modernen Sätteln auch Kunststoff, gefertigt und mit Leder umnäht, der Steigbügelriemen kann von einem Fender ergänzt werden. Die beim klassischen Sattel aus Sicherheitsgründen oft verwendete Bügelmaschine kann beim Westerndamensattel entfallen, da durch den breiten Steigbügel die Wahrscheinlichkeit bei Sturz daran hängen zu bleiben sehr gering ist. Wer aber auch dieses Risiko ausschließen möchte, hat die Möglichkeit zumindest im Training einen Sicherheitssteigbügel zu verwenden, der sich bei einem möglichen Sturz sofort öffnet.

 

Ebenso wie herkömmliche Westernsättel sind auch Westerndamensattel oft mit Silber oder Prägungen schön verziert, manche besitzen sogar eine kleine Tasche im passenden Design die an einem Haken an der rechten Seite des Sattels befestigt werden kann.

Passform

Das Problem dabei ist, dass ein Damensattel nicht nur dem Pferd perfekt passen muss, sondern auch der Reiterin, die ihn benutzt. Das ist natürlich auch bei anderen Westernsätteln so, doch beim Damensattel sind noch mehr Maße der Dame ausschlaggebend:

- Breite das Gesäßes

- Länge des Oberschenkels vom Gesäßknochen bis zur Kniekehle

- Breite des Oberschenkels.

Früher wurden die Damensättel genau nach den Maßen der Frau gefertigt. Das ist natürlich auch heute noch möglich. Möchte man allerdings einen bereits gebrauchten Sattel verwenden, dann kann es unter Umständen ein Weilchen dauern, bis man trotz engagierter Suche das richtige Stück für sich und sein Pferd findet. Wie sie feststellen ob der Sattel Ihnen und Ihrem Pferd passt, finden sie unter der Rubrik: Richtiger Damensattel

Die Begurtung

Je nach Bauart kann ein Westerndamensattel einen oder zwei Gurte haben. Reicht der Skirt des Sattels an den Seiten des Pferdes weit hinunter, so ist auch bei nur einem Gurt gewährleistet, dass der Damensattel nicht seitlich verrutscht. Ist das nicht der Fall, dann wird durch die Bauart auch ein zweiter Gurt vorgesehen sein. Ist ein double rigging (Hintergurt) vorgesehen, dann muss dieser unbedingt verwendet werden! In jedem Fallen gilt: der Gurt ist fest zu zuschnallen. Wird der Sattel und Reiterin einmal aus der Balance gebracht, so ist es unter Umständen nicht so einfach den Sattel wieder in die richtige Position zu bringen. Dem sollte also unbedingt mittels Hintergurt vorgebeugt werden.

Die Sicherheit

Das Damensattel- Reiten ist zu Beginn etwas ungewohnt, aber mit einem modernen Sattel ebenso sicher wie mit einem herkömmlichen Westernsattel.

Was man jedoch unbedingt beachten muss:

- Der Sattel muss dem Pferd und der Reiterin perfekt passen
- Der Sattel muss ordnungsgemäß und fest gegurtet sein
- Der Sattel muss zwischen 2 und 3 Hörner aufweisen
- Zumindest ein Sicherheitsmechanismus (Sicherheitssteigbügel oder Sturzfeder) sollte verwendet werden.

Unfälle kann man nie ausschließen, doch durch verantwortungsbewussten Umgang kann die Unfallgefahr zumindest gemindert werden!

Die Zäumung

Das Damensattelpferd wird klassischer Weise einhändig im Bit vorgestellt. Elegant ist die Verwendung von Romals, dies ist allerdings nicht Voraussetzung, das Pferd kann auch mit Split Reins vorgestellt werden. Auf den Shows sind die speziellen alters und Rassebedingten Vorschriften zu beachten. Für Pferd und Reiterin ist es natürlich am einfachsten z.B. mit einem Snaffle zu beginnen.

Die Kleidung

Die Kleidung einer Westernlady setzt sich aus Westernhut, Oberteil, Rock, Stiefel, Handschuhe und Sporen zusammen. Anders als beim klassischen Damensattel- Turnier- Out- Fit müssen die Kostüme keinen gedeckten Farbton haben. Ganz im Gegenteil: einfarbiges oder gemustertes Kostüm vermittelt einen frohen, flotten Eindruck. Es sollte natürlich unbedingt der Reiterin stehen und zur Farbe des Pferdes passen, ebenso ist das Wohlfühlen sehr wichtig. Solle man schon im Besitz einer Western-Turnierkleidung sein, dann braucht diese nur mit einem passenden Rock ergänzt werden.

Westernhut und Frisur

Der Hut hat eine breite Krempe und ist aus Leder, Filz oder einer Strohfaser gefertigt. Er sollte gut sitzen. Eher zu eng als zu weit ist empfehlenswert, da nicht wie im klassischen Out- fit mit Schleier geritten wird. Nichts ist unangenehmer als ein Hut der nicht getragen werden kann, sondern balanciert werden muss. Farbe und Größe des Hutes sollten zu Kostüm und der Dame passen. Die Haare werden je nach Disziplin zu Knoten oder Zopf, eventuell mit einem zum Kostüm passenden bunten Haarband oder Spange, zusammengebunden. Um ein ordentliches Bild zu vermitteln ist die Verwendung eines Haarnetzes vorteilhaft. Passender Schmuck kann unter der Berücksichtigung des Sicherheitsaspektes, getragen werden. Ein damenhaftes Betonen von Augen (eher hell, da der Hut schon Schatten macht) und Lippen lässt das Gesicht auch von weitem ausdrucksvoll erscheinen.

Das Oberteil

Das Oberteil sollte eine vorteilhafte Körperform vermitteln. Es eignet sich daher entweder eine in die Taille geschnittene Jacke oder eine Bluse mit einem Gelee. Sowohl Jacke als auch Bluse sollten hochgeschlossen sein und lange Ärmel haben. Dabei ist darauf zu achten, dass beim Reiten die Hände abgewinkelt sind und daher, um ein Heraufrutschen der Ärmel zu vermeiden, diese entsprechend lang sein müssen. Das Oberteil sollte über den Bund des Rockes gehen, und auch in der Bewegung gewährleisten, dass das darunter liegende Kleidungsstück nicht zum Vorschein kommt. Dies sollte man unbedingt vorher auch beim Reiten probieren. Der Kragen kann von einer Brosche, einer Schleife oder auch einem Mascherl geziert werden.

Der Rock

Ursprünglich ersetzte der Rock die bei der Farmarbeit aus Sicherheitsgründen getragenen Chaps. Daher war er früher ausschließlich aus Leder gefertigt. Heute steht es der Reiterin frei, aus welchem Material der Rock gefertigt sein soll. Zu bevorzugen ist allerdings ein etwas schwereres Material um ein Flattern des Rockes zu vermeiden. Meistens wird der Rock auf einer Seite des Pferdes getragen, was bedeutet, dass man den Rock zwischen Gesäß und Damensattel hat, also teilweise darauf sitzt. Ist der Rock aus einem rutschigen Material könnte dies zu einem etwas unsicheren Sitz führen, daher: vorher mit einem normalen Rock aus ähnlichem Materials einfach ausprobieren. Ist das verwendete Material zu leicht, dann kann in den Saum ein Bleiband eingenähten. Der Saum des Rockes sollte etwa bis zum Absatz des linken Schuhs oder etwas darüber gehen. So wird ein Hängen bleiben im Sporn verhindert. Auch sollte der Rock parallel zum Boden enden. Besonders wichtig ist, dass der Rock das rechte Bein vollständig bedeckt und auch in der Bewegung nicht verrutscht. Dieses Problem kann man mittels einer eingenähten Beinschlaufe auf der Innenseite des Rockes verhindern. Möchte die Dame einen Gürtel zum Rock tragen, dann muss der Rockbund Schlaufen haben. Es kann aber ach mit einem Kleid geritten werden. Dann sollten aber alle historischen Aspekte im Kleid vorhanden sein.

Stiefel und Sporen

Hier sollte man nach einem etwas eleganteren Schuhwerk suchen als es die normalen Western-Boots sind. Sehr gut eignen sich geschnürte Western-Reitschuhe, eventuell mit einem etwas höheren Absatz. Wichtig ist allerdings, dass der Sporn trotzdem gut sitzt. Ihr habt richtig gelesen der Sporn, denn es wird nicht mit zwei Sporen geritten, sondern nur mit einem Sporn und zwar am linken Bein.

Handschuhe und Stock

Die Handschuhe sollten ebenfalls farblich zum Kostüm passen und elegant geschnitten sein. Wichtig natürlich: sie müssen gewährleisten, dass die Reins gut und sicher gehalten werden können und sollten waschbar sein.
Ein Reitstock wird beim Western reiten nicht immer verwendet, doch aus Sicherheitsgründen sollte man nicht auf ihn verzichten! Auf den meisten Reitturnieren in Deutschland ist der Reitstock sogar vorgeschrieben.

Reiten im Westerndamensattel

 

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